Sibiu, auch unter dem deutschen Namen
Hermannstadt bekannt, war immer das wichtigste Zentrum
der deutschen Minderheit Siebenbürgens. Auch heute befindet
sich hier die größte deutsche Gemeinde Rumäniens, und
man fühlt ? mit Hilfe der lokalen Verwaltung ? noch immer
etwas Deutsches in der Stadt.
In Sibiu befindet sich ebenfalls eine bedeutende ungarische
Minderheit, eine Erinnerung an die Zeiten, als Siebenbürgen
Teil des Österreichisch-Ungarischen Reiches war. Dennoch
ist Sibiu/Hermannstadt eine überwiegend rumänische Stadt
(95% der Bevölkerung ist rumänischen Ursprungs), der es
gelungen ist, die drei genannten Kulturen und weitere
von kleineren Minderheiten wie Roma, Slowaken und Ukrainer
zu bewahren und zusammenzubringen.
Nach einer Variante der Legende des ?Rattenfängers von
Hameln? kamen die entführten Kinder aus der Höhle ?Almasch?
(Varghis) in Siebenbürgen, irgendwo in der Nähe von Hermannstadt,
wieder ans Tageslicht.
Das ist die romantische Erklärung des ungewöhnlichen Phänomens,
dass an dieser Stelle ein Volk aufgetaucht ist mit blonden
Haaren und blauen Augen, dass deutsch spricht und die
Bräuche und Traditionen eines Volkes pflegt, dass tausend
Kilometer entfernt lebt.
In Wirklichkeit wurden die Burgen und Wehrdörfer Siebenbürgens
im 12. Jahrhundert von Immigranten erbaut, die aus der
Moselregion kamen und die Bezeichnung Sachsen erhielten.
Sie wurden von den Ungarischen Königen gerufen und erhielten
eine Vielzahl an Rechten und Vorteilen im Gegenzug dazu,
dass sie bei der Verteidigung des Reiches gegen die Angriffe
der Tataren und Türken halfen.
Die Sachsen schufen ?Siebenbürgen?, sieben befestigte
Burgen und vielzählige Dörfer, in denen Wehrkirchen zum
Schutz bei Angriffen errichtet wurden. Viele dieser Wehrkirchen
sind massive Bauten, die auch heute noch erhalten sind,
wenn auch in den meisten Fällen größere und dringende
Reparaturen zur Bewahrung vor dem Verfall nötig sind.
Heute zeigt sich Hermannstadt als eine wahre Kultur-
und Tourismushauptstadt Rumäniens, die durch ihren mittelalterlichen
Reiz, die Schönheit ihrer Umgebung, ihre Speisen und
lokalen Traditionen viele Touristen anzieht.
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht steht Hermannstadt
mit einem Pro-Kopf-Einkommen über dem Landesdurchschnitt
sehr gut da. |